Vorwort des Präsidenten — Prof. med. Miklos Pless

Institutioneller Übergang und Sichtbarkeit

2025 markiert einen historischen Übergang: Mit dem Abschluss der SAKK und dem Start des Swiss Cancer Institute (SCI) begann eine neue Phase klinischer Krebsforschung in der Schweiz. Aufbauend auf 60 Jahren wissenschaftlicher Erfahrung haben wir Strukturen, Strategie und Zusammenarbeit neu ausgerichtet – mit dem Ziel, patientenzentrierte, qualitativ hochwertige und international anschlussfähige Forschung konsequent weiterzuentwickeln.

Das vergangene Jahr war zugleich Abschluss und Neubeginn. Im Rahmen unseres 60-jährigen Bestehens würdigten wir die Geschichte der SAKK mit einem wissenschaftlichen Symposium und führten erstmals unter dem Namen Swiss Cancer Institute zusammen, was strukturell bereits gemeinsam gewachsen war. Ergänzt wurde dieser Meilenstein durch das 10-jährige Jubiläum der Young Oncology Academy – ein klares Zeichen unserer langfristigen Investition in den wissenschaftlichen Nachwuchs.

Der institutionelle Übergang ging mit einer sichtbaren Stärkung unseres Aussenauftritts einher. Die neue Leitung für Kommunikation und strategische Partnerschaften hat dazu beigetragen, unsere Positionierung national wie international klarer zu profilieren.

Strategie und strukturelle Neuausrichtung

Mit der Erarbeitung einer erneuerten Vision und Mission sowie einer klar definierten Gesamt- und Forschungsstrategie wurde ein verbindlicher Orientierungsrahmen geschaffen. Dieser definiert unseren Anspruch: klinische Forschung zu ermöglichen, die praxisrelevant, evidenzbasiert und patientenzentriert ist – und gleichzeitig die Position der Schweiz als international anerkannten Onkologie-Standort stärkt.

Organisatorisch wurden organspezifische Forschungsgruppen zu Projektgruppen weiterentwickelt (u. a. Gynäkologie, Kopf-Hals-Tumoren). Querschnittsgruppen wie Registerstrukturen wurden in Sektionen überführt. Diese Anpassungen erhöhen Transparenz, stärken die fachliche Verantwortung und verkürzen Entscheidungswege.

Operative Exzellenz und Studienentwicklung

Ein besonderer Schwerpunkt lag 2025 auf der Weiterentwicklung operativer Prozesse. Mit der Initiative Lean Trials (Schlanke Studien) wurde ein modularer Studienaufbau etabliert, der Kosteneinsparungen von bis zu 50 % ermöglicht. Ergänzend wurde ein Boot-Camp-Format eingeführt, das die Entwicklungszeit von Studienprotokollen auf ein bis zwei Monate reduziert.

Im Berichtsjahr wurden 15 neue Studien initiiert; insgesamt wurden 13 Studien aktiviert. Jede Projektgruppe verfügt inzwischen über mindestens eine offene Studie. Parallel dazu konnten die Patienteneinschlusszahlen gesteigert werden. Diese Entwicklung unterstreicht die zunehmende operative Stabilität und Effizienz unserer Organisation.

Finanzielle Stabilität und Diversifizierung

Finanziell steht das SCI im zweiten Jahr in Folge auf einer soliden Basis. Mit dem Amtsantritt des neuen CFO wurde die finanzielle Steuerung weiter professionalisiert und Transparenz in Budget- und Reportingprozessen gestärkt.

Neue Fundraising-Initiativen – darunter die vertiefte Zusammenarbeit mit der Krebsforschung Schweiz, eine stärkere Nutzung von Förderinstrumenten des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) sowie innovative Ansätze wie die SCI-Kreditkarte – erweitern und diversifizieren unsere Finanzierungsquellen.

Netzwerk, nationale Verantwortung und Partnerschaften

Unser Netzwerk wurde gezielt ausgebaut. Die Zusammenarbeit mit prio.swiss sowie mit Partnerorganisationen im Bereich Gender Medicine (Geschlechterspezifische Medizin), darunter Philas, wurde intensiviert. Zusätzlich konnten neue Forschungspartnerschaften, auch mit der Industrie, etabliert werden.

Auf nationaler Ebene engagiert sich das SCI aktiv in der Ausgestaltung des Krebsplans, insbesondere in den Bereichen klinische Forschung und Dateninfrastruktur. Als Mitglied der Koordinationsplattform Klinische Forschung (CPCR) übernehmen wir zudem eine zentrale Rolle im Ausbau von Patient and Public Involvement (PPI) (Einbindung von Patienten und der Öffentlichkeit). Darüber hinaus wurde die Zusammenarbeit mit dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) auf eine konstruktive und vertrauensvolle Basis gestellt.

«Vertrauen ist die Grundlage wissenschaftlicher Kooperation und institutioneller Entwicklung.»

Vertrauen und institutionelle Kontinuität

Für mich persönlich stand die Stärkung des Vertrauens unserer Mitglieder und Projektgruppen im Zentrum. Vertrauen ist die Grundlage wissenschaftlicher Kooperation und institutioneller Entwicklung. Mit klarer strategischer Ausrichtung, stabilen Strukturen und gewachsener organisatorischer Reife ist das Swiss Cancer Institute gut positioniert, die klinische Krebsforschung im Dienste der Patientinnen und Patienten weiter voranzubringen.

Persönlicher Abschluss

Mit diesem Bericht endet meine Amtszeit als Präsident. Ich bin dankbar für das Vertrauen, das mir entgegengebracht wurde, und für das Engagement aller Beteiligten – der Mitglieder, des Kompetenzzentrums, der Projektgruppen, des Boards sowie unseres CEO.

Gemeinsam ist es gelungen, das SCI in einer Phase des Übergangs zu stabilisieren und strategisch weiterzuentwickeln. Mit Prof. Viviane Hess übernimmt eine erfahrene und profilierte Persönlichkeit die Leitung. Ich wünsche ihr für diese Aufgabe viel Erfolg und Weitsicht.