Interview Board Member
Interview mit SCI Vorstandsmitglied Silvia Schenker
Seit 2022 ist Silvia Schenker Vorstandsmitglied des Swiss Cancer Institute und bringt dort ihre langjährige gesundheitspolitische Erfahrung sowie ihr breites Netzwerk ein.
Zur Person
Von 2003 bis 2019 vertrat sie den Kanton Basel-Stadt im Nationalrat. In dieser Zeit war sie Mitglied der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK) sowie der Staatspolitischen Kommission (SPK) und prägte zahlreiche gesundheitspolitische Debatten auf nationaler Ebene.
Von 2006 bis 2008 war sie zudem als Vizepräsidentin der SP Schweiz tätig. Von November 2006 bis 2012 war sie Präsidentin der Schweizerischen Gesundheitsligen-Konferenz (Geliko) und gehörte von 2012 bis 2025 dem Verwaltungsrat des Universitätsspitals Basel an.
Im Zentrum ihres Engagements stehen Sozial-, Familien-, Gesundheits- und Asylpolitik – stets mit einem klaren Fokus auf gesellschaftliche Verantwortung und nachhaltige Lösungen
Ende November 2025 haben Sie sich für eine weitere Amtsperiode im Vorstand des Swiss Cancer Institute zur Verfügung gestellt. Was bedeutet Ihnen dieses Mandat persönlich?
Als ich vor fast vier Jahren angefragt wurde, ob ich im Vorstand des SCI (damals SAKK) mitwirken möchte, kannte ich die Organisation noch kaum und wusste wenig über ihre Arbeit. Je intensiver ich mich mit der klinischen Krebsforschung auseinandergesetzt habe, desto bewusster wurde mir ihre enorme Bedeutung für die Betroffenen. Mich weiterhin dafür engagieren zu dürfen, erfüllt mich mit Freude und Dankbarkeit. Dass wir im Vorstand eine sehr konstruktive Zusammenarbeit pflegen und auch miteinander lachen können, ist das Sahnehäubchen dieses Engagements.
Sie sind keine Onkologin und engagieren sich dennoch intensiv für die klinische Krebsforschung. Wie sehen Sie Ihre Rolle und Ihr Wirkungsfeld im Board des Swiss Cancer Institute?
Ich habe keinen medizinischen Hintergrund. Deshalb befinde ich mich immer wieder in Situationen, in denen ich nicht alles sofort verstehe. Da ich jedoch den Anspruch habe, Dinge wirklich zu durchdringen, stelle ich viele Fragen. Das war mir zu Beginn etwas unangenehm. Mit der Zeit habe ich jedoch gemerkt, dass gerade diese Fragen Diskussionen auslösen und zur Klärung beitragen können.
Zudem sehe ich mich im Vorstand auch als Vertreterin eines Teils der Bevölkerung, den wir – so meine Überzeugung – noch stärker erreichen sollten.
«Klinische Krebsforschung bringt Hoffnung und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung von Betroffenen und ihren Angehörigen.»
Was fasziniert Sie besonders an der klinischen Krebsforschung – und an der Arbeit des Swiss Cancer Institute?
Klinische Krebsforschung bringt Hoffnung und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung von Betroffenen und ihren Angehörigen. Mich beeindruckt besonders, mit welcher Kreativität und welchem Engagement alle Mitarbeitenden des Swiss Cancer Institute – unabhängig von Funktion oder Aufgabe – daran arbeiten, Antworten auf Fragen zu finden, die sich direkt aus der Behandlung von Patientinnen und Patienten ergeben.
Die Sinnhaftigkeit dieser Arbeit steht für mich ausser Frage – selbst dann, wenn eine Studie nicht das erhoffte Resultat bringt.
Ohne klinische Krebsforschung gäbe es keine neuen Medikamente und keine optimierten Therapien. Dennoch fliesst ein grosser Teil der Forschungsgelder in die Grundlagenforschung. Wie gelingt es aus Ihrer Sicht, Politik und Gesellschaft stärker für die Bedeutung der klinischen Krebsforschung zu sensibilisieren?
Mehr Menschen sollten verstehen, was Forschende konkret tun: Welche Fragen sie beantworten wollen und was diese Antworten für Betroffene bedeuten können. Klinische Forschung ist näher bei den Menschen als die Grundlagenforschung. Sie kann – im besten Fall – unmittelbar zu einer spürbaren Verbesserung im Alltag führen.
Wenn es gelingt, grösseren Teilen der Gesellschaft die Bedeutung der klinischen Krebsforschung bewusst zu machen, erreicht man damit auch die Politik. Dafür braucht es einen langen Atem und die Überzeugung, dass Veränderung möglich ist.
Zum Abschluss: Sie haben drei Wünsche frei. Welche drei Entwicklungen wünschen Sie sich für das Swiss Cancer Institute in den nächsten fünf Jahren?
Erstens wünsche ich mir, dass die positive Entwicklung der letzten Monate anhält und die Menschen im Kompetenzzentrum und im Vorstand die Organisation gemeinsam weiterentwickeln.
Zweitens hoffe ich, dass das Netzwerk unserer Mitglieder – die Verankerung des SCI in der ganzen Schweiz – noch stärker genutzt werden kann. Darin liegt eine grosse Stärke des Instituts.
Und drittens wünsche ich mir, dass es dem SCI gelingt, seine Arbeit für noch mehr Menschen greifbar zu machen und damit die Bedeutung der klinischen Krebsforschung breiter im Bewusstsein zu verankern.